19.09.2011
Die Stadtwerke Gaggenau feiern am 1. und 2. Oktober ihr 100jähriges Bestehen - willkommener Anlass zurückzublicken und die Geschichte dieses für die Gaggenauer Bevölkerung nicht wegzudenkenden Traditionsunternehmens näher zu beleuchten. Heute veröffentlichen wir die zweite von vier Folgen.
Wir schreiben das Jahr 1911. Bei den Gaggenauer Amtsträgern herrscht "Krieg". Man konnte sich nicht einigen, welche Energieart künftig in Gaggenau vorherrschen und die Straßen beleuchten soll: Gas oder Strom. Doch nach langem Streit traf man doch eine Entscheidung: In Gaggenau sollte es Gas geben, und dazu wurde ein eigenes städtisches Gaswerk gebaut (wir berichteten).
Der Gaggenauer Geschäftsmann Theodor Bergmann, der sich seit längerem für die Elektrifizierung einsetzte, gab sich damit allerdings nicht zufrieden. Er wollte Gaggenau mit Strom versorgen, und weil er nicht durfte, tat er es in Ottenau - mit einer Stromerzeugungsanlage nahe der Grenze zu Gaggenau, versteht sich. Denn die Gaggenauer Bürger waren bei weitem nicht alle mit der Entscheidung des Stadtrates für Gas zufrieden. Viele schauten neidisch nach Ottenau und wollten auch Strom. So entschied man denn noch vor Ende 1911, dass es in Gaggenau neben Gas auch Strom geben solle. Der pfiffige Geschäftsmann Bergmann hatte in der Zwischenzeit schon die ersten Leitungen gebaut, und so kam es, dass schon Weihnachten 1911 die ersten elektrischen Lichter in Gaggenau brannten.
Bis ins Jahr 1931 betrieb Bergmann seine Stromversorgung in Gaggenau und seinen Nachbargemeinden und baute das Netz immer weiter aus - bis das Badenwerk sämtliche Stromversorgungsanlagen Bergmanns übernahm und fortan für die Stromversorgung in Gaggenau verantwortlich war.
1956 holte die Gaggenauer Verwaltung nach erfolgreicher Eigenversorgung mit Gas und Wasser auch die Stromversorgung "nach Hause". Sie erwarb vom Badenwerk das Leitungs- und Kabelnetz mit einer Länge von etwa 53 km, die Straßenbeleuchtungsanlage mit 368 Brennstellen sowie sieben Umspannstationen zur Stromversorgung in Gaggenau und Ottenau. Damit bekam das Gaggenauer Energieversorgungsunternehmen, die Stadtwerke Gaggenau, eine weitere wichtige Aufgabe.
In den folgenden Jahren wurde die Stromversorgung immer weiter ausgebaut: Leitungen erneuert, Freileitungen abgebaut und durch Erdkabel oder Bündelleitungen ersetzt, Umspannstationen erneuert oder wenn nötig zusätzliche gebaut.
Nachdem die Stadtwerke Gaggenau im Januar 1986 auch die Stromversorgung im Ortsteil Bad Rotenfels vom Badenwerk übernommen hatten, mussten die Entflechtungsarbeiten bei eisiger Kälte im Freileitungs- und Kabelnetz durchgeführt werden. Dann folgte ein weiterer wichtiger Schritt für die Stromversorgung in Gaggenau. Bis 1988 wurde die gesamte Stadt über einen 20.000 Volt-Einspeisepunkt mit elektrischer Energie versorgt. Jetzt war die Zeit reif, Gaggenau ans Hochspannungsnetz anzubinden. Seit 1. November 1988 ist der 110.000 Volt-Einspeisepunkt an der Hochspannungsleitung zwischen Rauental und Forbach für die Stadtwerke Gaggenau aktiv. Diese Anlage in der Kniebigstraße kann am Jubiläumswochenende der Stadtwerke am 1. und 2. Oktober im Rahmen einer Tour besichtigt werden.
Im Verlauf des weiteren Ausbaus der Stromversorgung wurden alle Stadtteile Gaggenaus in das Stromversorgungsnetz der Stadtwerke integriert. So kamen am 31. März 1995 die Ortsteile Hörden, Michelbach und Sulzbach und am 30. April 1998 der Ortsteil Selbach zum Versorgungsnetz der Stadtwerke hinzu. Oberweier, Freiolsheim, Moosbronn und Mittelberg wurden 2007 ans Stromversorgungsnetz der Stadtwerke angeschlossen.
Heute verfügen die Stadtwerke Gaggenau über ein modernes Stromversorgungsnetz mit einer Kabellänge von ca. 310 km und einer Freileitungslänge von ca. 150 km. Die Straßenbeleuchtung umfasst etwa 4.932 Brennstellen, und es sorgen 155 Umspannstationen für Versorgungssicherheit. So wuchs aus dem Streit des Jahres 1911, ob man denn überhaupt Strom in Gaggenau brauche, eine Energiesparte hervor mit einer Jahresmenge im Netz der Stadtwerke Gaggenau von über 120 Mio Kilowattstunden Strom.
Manfred Mayer M.A.
Pressesprecher
Stadt Gaggenau
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